Gift in der Gurke, Schimmel im Schinken, Chemie im Shampoo oder nicht so viel Schokolade in der Verpackung wie angegeben. Die ursprüngliche Idee, dass der Verbraucher nicht alles Kaufen braucht, was (giftig) im Regal liegt, ist richtig. Der Effekt wäre: Miese Qualität verkauft sich nicht. Das Verbraucherinformationsgesetz sieht zwar vor, dass sich Verbraucher besser informieren können, zu mehr Transparenz wird es jedoch leider nicht beitragen. Dafür haben etliche Verwässerungen gesorgt. Die Krux liegt unter anderem in einem Passus, der besagt, dass eine Behörde die Aussage verweigern kann, wenn das Betriebsgeheimnis einer Firma gefährdet ist. Firmen sind nicht verpflichtet Auskunft zu geben!
Auch weiterhin werden die von den Behörden (sowieso) gesammelten Daten nicht veröffentlicht. Wir sollen nicht erfahren, dass der gerade im Supermarkt X verkaufte Sorte Gemüse der Pestizidgehalt deutlich über den gesetzlich geregelten Grenzwerten liegt. Die Industrie fürchtet mit einer weiter gehenden Informationspflicht an den Pranger gestellt zu werden. Man sollte doch annehmen, dass genau dafür unser Ministerium für alles mögliche und Verbraucherschutz da ist... wohl weit gefehlt.
Über den Tellerrand geschaut, hat hier in Deutschland wieder mal keiner. Gehen wir z.B. nach England zur "Foods Standard Agency". Auf deren Website http://www.food.gov.uk/ kann man sich eine Vorstellung machen, wie es auch gehen kann...
Gammelfleisch im Döner, Fleischabfälle in Würsten, neue Etiketten auf altem Hack. 2005 war das Jahr des Ekels für die Verbraucher. Noch im Dezember 2005 hat Seehofer nach diesen Fleischskandalen eine Nulltolleranz versprochen. Alles leere Versprechungen. Das Gesetz wird nun im Bundestag diskutiert, doch kaum einer hält das Gesetz für wirkungsvoll. Stimmen beschreiben es als Placebogesetz, Augenwischerei oder es schütze nur die Unternehmen vor unangenehmen Auskunftsbegehren. Wie soetwas in der Praxis aussieht, kann man sich anhand des Beispiels von Paprika verdeutlichen: Der ist häufig(!) stärker mit Pestiziden belastet als erlaubt. Von den Lebensmittelkontrolleuren erfährt man jedoch nichts - das Zeug muss ja gegessen oder vernichtet werden... Sie leiten ein Ermittlungsverfahren ein und damit endet sofort die Informationspflicht an den Verbraucher. So will es das Verbraucherinformationsgesetz. Das ist kein Witz!
Foodwatch.de (Die Essensretter) versucht als Lobby des essenden Verbrauchers Einfluss zu nehmen und Informationen die entweder öffentlich sind oder durchsickern aufzubereiten. Ein Besuch auf der Website lohnt sich, um sich weiter zu informieren.
Aus einem Stern-Artikel geht hervor, was sich wirklich dahinter verbirgt: Man hätte ihm sogar aus dem Verbraucherministerium bestätigt, dass es das Gesetz nur aus politischen Opportunitätsüberlegungen gäbe. "Die haben gesagt: Ein Gesetz zu haben ist besser als keins, auch wenn es wenig bewirkt," erzählt Bode. Und findet: "Das sei eine sehr zynische Auffassung von Demokratie."
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