In Bayern werden über 100 Tonnen altes ranziges Fleisch sichergestellt - zufällig. Warum das überhaupt möglich ist? Anhand des BSE-Skandal kann man es verdeutlichen: Die Konsumenten stiegen vom qualitativ hochwertigeren Rind-, Kalb- oder Lammfleisch auf minderwertige Wurstprodukte aus Schlachtabfällen von Schwein und Geflügel um. Ähnlich verhält es sich beim Fisch. Bei ganzen unverarbeiteten Stücken weiß man am ehesten was man bekommt. Schließlich wurde der Mensch über die Jahrtausende mit sensorischen Fähigkeiten ausgestattet, die auch heute noch funktionieren. Doch die deutschen Verbraucher lieben ihre Fertigprodukte.
Ein Großteil des Fleisches war in einem nicht genehmigten Kühlhaus untergebracht. Ein anonymer Zeuge bestätigt, dass schon vor 20 Jahren Fleisch umetikettiert wurde, um es weiter zu verkaufen.
Politik:
1. Bayerns Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf (CSU) hat aus den vergangenen Fleischskandalen keinerlei Konsequenzen gezogen. Und wieder wird versprochen (reaktiv) mit aller Härte und Konsequenz gegen die Verursacher vorzugehen.
2. Schellstmöglich Verabschiedung des Verbraucherschutzinformationsgesetzes wird es auch nicht verhindern können. Warum hab ich in einem anderen Blogeintrag schon beschrieben.
3. Landräte in Bayern sind für die Überwachung zuständig. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass diese Kontrolleure Wirten und Unternehmen schon alleine aus Interessenskonflikten auf die Finger hauen.
4. Personal wird weiter abgebaut. So sollen 30 der 500 Lebensmittelüberwachungsstellen eingespart werden.
5. Das Verbraucherministerium in Berlin, allen voran Minister Horst Seehofer (Liebevoll auch Seuchenhofer genannt) fühlt sich gar nicht zuständig, lediglich wenn es um internationale Waren gehen würde. Eine Sprecherin vom Bundesverbraucherminister sagte dazu nur: "Sie können nur aufdecken und bestrafen." Wo die Devise der groß angekündigten "Null Toleranz" bleibt ist unbekannt.
Der Betrug hat System: Der Staat macht es den Fleischtricksern leicht und die Gewinnmargen mit Fleischmüll ist groß. Verbraucherschützer fordern höhere Bußgelder, die vor allem nach Umsätzen gestaffelt werden. Seehofer lehnt dies aber ab. Aktuell erwarten die Gammelfleischhändler maximal die Höchststrafe von 20.000 Euro. Das wird wohl aus der Portokasse gezahlt.
Wegen diesen Interessenskonflikten hat Großbritanien die Food Standars Agency praktisch mit viel Macht ausgestattet. Denn wie soll ein Ministerium gleichzeitig für das wohlbefinden der Lebensmittelproduzenten und das der Verbraucher zuständig sein? Die FSA untersteht praktisch nicht diesen Zwängen und übernimmt lediglich die Verantwortung der Informationsweitergabe gegenüber dem Verbraucher.
Lösungansatz: Das Vorbild FSA in Großbritanien. Der wohl beste Ansatz wäre die öffentliche Auflistung der schwarzen Schafe. Sie würden automatisch nichts mehr verkaufen und andere würden sich das ganze mehr als gut überlegen. Um das zu verhindern haben die Politiker extra einen Passus ins Gesetz eingearbeitet, welches von Betriebsgeheimnissen handelt (also Inhaltsstoffe, Gifte, Vertriebswege etc.) . Seehofer kneift jedoch dabei, obwohl er das neue (verwässerte) Verbraucherschutzinformationsgesetzt auf den Weg gebracht hat. Wenn die Länderkammer das diesen Monat kippen besteht noch eine letzte Chance für den Verbraucher mit dieser Regierung...
Dabei wäre das gar nicht schlimm, wenn es die schwarzen Schafe nicht mehr gäbe, denn die Verbraucher konsumieren ihr Fleisch nach wie vor weiterhin. Nur mit einer etwas höheren Qualität eben.
Schuld ist aber mit der Verbraucher. Er glaubt mit dem billigsten Döner (beispielhaft für verarbeitete Produkte) ein Schnäppchen zu machen. Dabei bekommt er mindere Qualität, fördert die letzte(!) Tierhaltung, die er selber verabscheut. Denn wo der letzte Cent rausgeholt wird, trifft es immer den Primärproduzent und der muss sich dem Markt fügen oder aufhören. Er wird gezwungen konsequent seine Kosten zu drücken. Vergleichen wir es mal mit einer Familie in einem Einfamilienhaus. Zuerst stecken wir noch ein paar Familien rein, es sind ja nicht alle Zimmer belegt, so könne die Mietkosten deutlich reduziert werden. Dann sparen wir am Essen. Weil es billiger ist - also wirtschaftlicher - stellen wir die leckeren Malzeiten auf Sauerkraut um, morgens, mittags, abends und zwischendurch auch. Wenn man nichts anderes bekommt wird es auch gegessen. Beim Putzen wird auch gespart, das reicht einmal im Jahr. Kompfort ist auch Luxus. Die weichen Betten kommen raus, nehmen nur Platz weg und stallen noch eine Familie dazu. Auf dem Boden ist noch Platz beim Schlafen. Noch ist nicht alles rationalisiert, ein bisschen geht noch... Abwegig? Na frohes Leben und guten Appetit.
Dann doch lieber Biologische Fleischwaren kaufen, die unterstehen deutlich besseren Kontrollen.
Was kann ich also selber tun?
- Nicht das billigste Fleischschnäppchen, denn das ist in der Regel auch minderwertig
- Lieber Biofleisch kaufen und dafür nicht so oft
- Fleisch im Fachhandel kaufen, die können sich weniger Skandale erlauben und bürgen für Qualität
- Wenn Biofleisch, dann von anerkannten Anbauverbänden, die haben deutlich tierfreundlichere Regelungen als nur Anerkannte EU-Betriebe
- wenig verarbeitete Produkte kaufen und wieder selber machen
- usw. ...