Es gibt Menschen, die verändern mein Denken. Es ist ein Geschenk mit
welcher Klarheit und Einfachheit Karl R. Popper Dinge formuliert.
Dafür, dass er mein Leben bereichert hat bin ich ihm zu tiefst dankbar. Hier eines meiner Lieblingsthemen von ihm:
Das intellektuelle Gefängnis
Im laufe eines Lebens (oft schon in jungen Jahren) baut man sich selber sein intellektuelles
Gefängnis. Was bedeutet dies? Wir entscheiden uns manchmal durch
Abwägung oder auch nicht für oder gegen Hypothesen oder Theorien
wie die Welt funktioniert.
Wie ist es gebaut?
Verschiedene Strukturen oder Standorte bauen diese Gefängnismauern. Gefangen sein können wir nicht nur in einer Sprache, sondern auch
in verschiedenen Systemen von Annahmen, Theorien, Glaubenssystemen,
"Ismen", Ethik, Werte und Moral. Denkende Menschen pflegen einen Rahmen zu entwickeln, in
den sie jede neue Idee, die ihnen begegnet, einzupassen versuchen.
Das Gefängnis ist eine Metapher, da wir es normalerweise
dies nicht als ein solches empfinden.
Aufmerksam werden wir erst durch den Zusammenprall der Kulturen. Genau
diese Aufmerksamkeit erlaubt es uns aus dem Gefängnis auszubrechen,
wenn wir wollen. Wir können es überwinden, wenn wir die neue Sprache
untersuchen, sie mit unserer eigenen Vergleichen und ihre neuen
Möglichkeiten ausnützen. Zugegeben, wenn wir so ausbrechen, gelangen
wir in ein neues Gefängnis, aber es ist ein viel größeres und
weiteres Gefängnis und ebenso wie vorher werden unter dem neuen Gefängnis
nicht leiden oder besser: wir haben jederzeit die Freiheit es kritisch
zu untersuchen und so wiederum in ein noch geräumigeres Gefängnis
auszubrechen.
Dieser Ausbruch aus dem Gefängnis ist natürlich keine Routine, er
kann nur das Ergebnis einer kritischen und schöpferischen
Bemühung.
Eine fruchtbare Diskussion kommt immer nur dann zustande,
wenn möglichst unterschiedliche Standpunkte aufeinander treffen.
die frühe Entscheidung
Viele Menschen entscheiden sich früh für ein solches Gefängnis und halten daran zwanghaft ein leben lang fest. Doch kommt man so der Wahrheit meist nicht näher. Ihr kommt man nur näher, wenn man immer wieder die eine Theorie gegen eine andere abwägt.
Massenmedien
Interessant finde ich, dass gerade die Massenmedien uns künstlich vorgaukeln, wie unsere Welt aussieht, bzw. aussehen soll und das Erfolgreich. Viele orientieren sich danach und bauen genauso ihr Mauern auf. Sie verinnerlichen dieses System so sehr, dass schon das kleinste in Fragestellen zu heftigen Reaktionen führt.
Dogmatismus
Sogar dieser lässt sich beinahe mit dem oben gesagten verstehen. Fanatiker und Dogmatiker haben ein besonders kleines aber sehr "lieb" gewonnenes Gefängnis. An diesem wird unter allen Umständen festgehalten und dieses bis auf das äußerste verteidigt. Hinter die Mauern schauen ist einfach nicht zulässig.
Schlussfolgerungen
Mir hilft diese Metapher auf verschiedene Weise. Zum einen hilft es andere Menschen zu verstehen. Sie haben sich oft eingemauert und es ist auch nicht immer angenehm hinschauen zu wollen. Denn erst beim hinschauen stellt man fest, dass man sich eingemauert hat und dahinter kommt erstmal unbekanntes und das ist unheimlich.
Zum anderen verstehe ich mein eigenes Leben besser. Wenn ich auf mein Leben zurück schaue, dann bin ich ständig dabei mein (neues) Gefängnis kritisch zu beäugen, nach dem Weg hinaus zu suchen und zu finden. Ein skeptischer Sucher. Ich suche den schöpferischen Umgang mit anderen Strukturen mit all seinen Konsequenzen - der Wahrheit zur Liebe!
Quellen:
- Realismus und das Ziel der Wissenschaft Von Karl R. Popper, William Warren Bartley
- Karl Popper in einem Vortrag über den "Mythos vom Standort"