Buchrezension und Zusammenfassung: Wer hat Angst vor Silvio Gesell
Der Autor Hermann Benjes ist vor allem bekannt durch seine Hecke. Er hat auch ein Buch über Silvio Gesell geschrieben. Es hat mir wahnsinnig Spaß gemachte das Buch zu lesen. Es brachte mir viel Klärung und Festigung meines bescheidenen Weltbildes. Letztendlich reflektiert man die Frage immer wieder warum sieht unsere (Um-)Welt so aus wie sie ist.
Silvio Gesell geboren 1862 lebte bis 1930. Wer die Ursachen von periodisch wiederkehrenden Wirtschaftskrisen und damit auf die Ursachen von Arbeitslosigkeit, Elend und Krieg gestoßen. Er entdeckte quasi die Webfehler in der Struktur des Geldes (siehe auch: So funktioniert Geld oder der 10 Punkteplan zur effizienten Ausbeutung eines Planeten mit halbintelligenten Lebensformen).
Die natürliche Wirtschaftsordnung Silvio Gesell würde sich für etwa 90% der Bevölkerung vorteilhaft auswirken. Den restlichen 10%, die heute als Krisengewinnler fein raus sind, bringt sie Nachteile, indem sie es dieser Schicht der Superreichen nicht mehr gestattet, wie durch ein Wunder ohne Arbeit zwangsläufig und auf Kosten anderer immer noch reicher zu werden. Eine solche Lizenz zum Geldscheffeln, wie sie die Zinswirtschaft einer Minderheit bietet, gibt man nicht gern aus der Hand, freiwillig schon gar nicht. Hinzu kommt das die meisten in der Bevölkerung das lästige nachdenken über schwer verdaulich Probleme und Zusammenhänge abgegeben hat. Dies nutzt vor allem auch der Politik. Die Abgeordneten werden von Lobbyisten umringt und diese bilden als eigentliche Drahtzieher in der Gesellschaft unbemerkt ein Schattenkabinett. Da die Politiker gerne wieder gewählt werden möchten sind diese nicht besonders standhaft (oder Gewissenhaft).
Das ständige herumgerede vom "unbegrenzten" Wachstums ist doch völlig unsinnig. Als Beispiel dient oft der gute Jesus Pfennig. Hätte er damals einen Pfennig angelegt entspräche das heute mehrere Erden aus reinem Gold. Jedes Wachstum in der Natur hört erfreulicherweise irgendwann auf. Kinder sind mit 20 Jahren aufzuwachsen, Bäume bei circa 30 m und wachsen nicht unbegrenzt in den Himmel.
Der Zins ist die Hauptursache des Wachstumszwangs. Hätten wir ein Geld ohne Zinsen würde die Wirtschaft auch ohne Wachstumszwang florieren. Ohne Wachstum auch kaum noch Umweltzerstörungen. Doch damit nicht genug: Zinsen - und nur die Zinsen - sind für die maßlose Umverteilung der Geldvermögen von unten nach oben verantwortlich!
Silvio Gesells Freigeld hat keine Zinsen. Wer den Geldfluss verhindert, also auf der Bank hat verliert jeden Monat ca. ein Prozent an Wert. Das Geld hat praktisch eine Umlaufsicherung eingebaut. Dies verhindert ganz einfach, dass es überhaupt Reiche gibt. Nicht nur das, sondern mit der Zinsabschaffung wird auch die Arbeitslosigkeit abgeschafft werden.
Der Kapitalismus ist zwar übrig geblieben, ist jedoch wegen schwerer Konstruktionsfehler ein Auslaufmodell. Auch wenn Politiker und Medien immer noch daran festhalten. Es ist schwer diese Meinungsmafia zu durchbrechen. Sie tun so als wäre es völlig normal vor den Füßen des Mammons zu kuschen.
Der zweite Teil des Konzeptes von Silvio Gesell sieht eine Bodenreform vor. Privatbesitz am Boden gibt es erst seit der landesweiten Einführung des römischen Rechts ab Ende des 15. Jahrhunderts. Wer heute viel Land besitzt, wird es mit Sicherheit nicht rechtmäßig erworben haben. Gesell erkannte nämlich, dass mit der Zinszertrümmerung allein die Verteilungsgerechtigkeit der Geldvermögen noch nicht zu haben war, da die Geldbesitzer unverzüglich dazu übergehen würden, das Land restlos aufzukaufen, um sich dann über unverschämte Bauland- und Pachtpreise das zurückzuholen, was ihm bisher an arbeitsfreier Zinsgeschenken wunderbarer Weise zugeflossen war.
Das Ziel Silvio Gesell zwar es, dass es überhaupt keine privaten Flächen geben darf. Dies sollte über einen längeren Zeitraum gewährleistet werden. Grund dürfte nur noch vom Staat gekauft werden. Somit bricht das Spekulantentum wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Wer Boden braucht, darf dies vom Staat pachten. Von diesen Einnahmen sollten vor allem Mütter und Kinder profitieren. Ihnen sollte eine Müttergehalt aus der Bodenrente zukommen.
Was wäre das ein Unterschied, ob das Volksvermögen über den "Schleichwegzins" auf die Konten der Reichen gespielt wird oder wirklich allen Menschen zur Verfügung stehen würde.
Was wäre das sicherlich für eine angenehme Gesellschaft, wenn alle Arbeit, gerechten Lohn und bezahlbare Wohnungen geboten bekämen?
Dass dieser unverantwortliche Wachstumswahnsinn ein Verbrechen an der Umwelt, an den Armen und an kommenden Generationen ist, hat sich mittlerweile herumgesprochen.
Zusammenfassend: Freigeld und Freiland lassen gnadenlose Blutsauger, die ihren unersättlichen Saugrüssel in den Geldkreislauf des Volkes senken, auf Granit stoßen. Ein Geld, das nur noch ein Tauschmittel ist, sichert den störungsfreien Geldumlauf und damit eine blühende Wirtschaft (und Gesellschaft).
Das Buch hat auf jedenfall mein Interesse nach dem Konzept von Silvio Gesell geweckt. Ich komme zu dem Schluss, das er einfach recht hat und konnte keine Fehler entdecken. Das ist die bessere Geld- und Wirtschaftsordnung. Das Buch wird leider nicht mehr aufgelegt - schade.
Wegen der Verfügbarkeit: Wenn der Autor schon über 70 Jahre tot ist, könnte man es ganz locker selber verlegen. Über BoD beispielsweise kein größerer Aufwand und durchaus bezahlbar. Bei Interesse würde ich behilflich sein.
Problem der Umsetzung ist nur, dass 90% der Bevölkerung (die armen Mäuse) gewinnen würden und 10% (durchtrainierte Katzen) verlieren würden. Und wie dieses Bild zeigt, können arme Mäuse wenig gegen diese wenigen Katzen ausrichten...
Das Buch von Benjes wird nicht mehr aufgelegt und das ist noch gar nicht so alt. Hinter den Originalen von Gesell mach ich mich erst jetzt hinter her. Mal schauen, wie gut die noch zu haben sind
www.tauschringadressen.de
In mancher gute Bibliothek kann man es ausleihen.
Wer suchet der findet
http://www.deweles.de/files/apokalypse.pdf