Wie Gerald Hüther in seinem Buch "Bedienungsanleitung eines menschlichen Gehirns" beschreibt: "Die Unterdrückung von Betroffenheit ist der einzige wirkliche Bedienungsfehler, den man bei der Benutzung des Gehirns machen kann." Gelesen habe ich das Buch, um ein Verständnis für die Welt zu bekommen und was das Potential unseres Gehirns wäre. Ein kleinen Teil will ich hier vorhab "besprechen", der mich fasziniert hat. Es geht um das Thema Betroffenheit, beziehungsweise wie man diese verhindert.
Wie kommt es also zu dem Zustand, dass die Menschen nicht mehr betroffen sind und damit das fehlende die Notwendigkeit der Veränderung nicht mehr verspüren? Sie akzeptieren damit jeden nur erdenklichen Zustand. Egal welchen.
Betroffenheit lässt sich dann gut unterdrücken, wenn die eigenen Vorstellungen (Ziele, Meinungen, Überzeugungen) wichtiger, höher, überlegener zu bewerten sind, als die der anderen. Je mehr Gleichgesinnte er findet, desto leichter fällt diese Unterdrückung.
Die logische Folge scheint die anderen als minderwertig abzustempeln oder sogar zum Volksfeind zu erklären, bis sie verjagt und oder umgebracht werden. Die Motivation ist die Überzeugung der Überlegenheit, ohne Betroffenheit und sogar ohne Zweifel der Richtigkeit des eigenen Handelns.
Grundlage von Betroffenheit ist, dass es einem wichtig ist, womit er sich eng verbunden fühlt. Das läßt den Schluss nahe, was so viele spirituellen Lehren aussagen, dass alles eins ist und somit gleich wichtig.
Aus neurobiologischer Sicht ist es leider keine Kunst das Gehirn so zu beeinflussen, dass das Gefühl der Betroffenheit erstickt.
Die Grundregeln zur Zerstörung von Betroffenheit (unseres Lebens):
- Dem individuellen Menschen soll nur noch sein eigenes "bequemes" Leben wichtig sein, sonst nichts. Wie geschieht das: Man hindert ihn einfach daran enge Bindungen zu anderen Menschen, zu seiner Heimat, zur Natur, zu allem was ihn umgibt, zu entwickeln.
- mit lauter Belanglosigkeiten, wird er in einem Zustand ständiger Aufregung gehalten, bis er weder Wichtiges von Unwichtigem noch Richtig von Falsch zu unterscheiden in der Lage ist:
- nutzlosen Informationen überschüttet,
- mit vielen unterschiedliche Expertenmeinungen konfrontieren
- Vom Nachdenken abhalten. Das geschieht durch fortwärende Hektik, bis er nicht mehr 5 Minuten still sitzen kann und nicht mehr nachdenkt, was er als nächstes tun wird.
- Sinne überreizen, um die Wahrnehmungsfähigkeit völlig abzustumpfen. Nichts leichter als das, einfach zudröhnen mit
- aufregenden Bildern,
- lauten und schrillen Geräuschen,
- aufdringlichen Gerüchen und
- pausenlosen Sensationsmeldungen
- Um zu guter letzt auch noch das Gefühl abzutöten braucht man den Zustand der permanenten Aufgewühltheit durch:
- immer neue Katastophenmeldungen
- Darstellungen brutaler Gewalt
- unmenschlichen Verbrechen
Und je früher man mit diesem Konditionierungsprogramm beginnt, umso erfolgreicher ist der Effekt, da das plastische Gehirn in jüngeren Jahren am formbarsten ist.
Bricht irgendjemand - obwohl ziemlich unwahrscheinlich - aus und fühlt ein wenig Betroffenheit und fängt an Dinge doch einmal in Frage zu stellen, dann braucht man nur in eine weitere Trickkiste zu greifen. Heraus kommt das Einreden, man habe alles fest im Griff, alles sei machbar und reparabel. Dankbar für diesen Strohhalm versinken sie dann ohne viel zu hinterfragen wieder im alten gewohnten Trott.
Damit wird klar, wie wichtig es ist bei den Kindern anzufangen, wenn wir die Welt verändern möchten. Sie sind unsere Zukunft.
Unter diesen Gesichtspunkten bekommen Muße, "Faulsein", Meditation, etc. eine andere Bedeutung, denn es scheint notwendig zu sein, um sich zu reflektieren und seinen Platz in der Welt zu finden?
Diese Konditionierungsprogramm erklärt auch den aktuellen Zeitgeist, nichts macht mehr Betroffen - so richtig betroffen. Kaum jemand interessiert sich wirklich richtig für die Probleme der Welt. Kaum jemand denkt weit genug und wartet nur ab, bis sich ein sogenannter Experte sich zu Wort meldet und einen neuen Strohhalm präsentiert. Wir werden tatsächlich buchstäblich in permanenter Aufregung gehalten. Die Nachrichten spiegeln genau das wieder. Das Ziel ist nicht das informieren, sondern die Manipulierbarkeit. Meist schlägt jetzt der eine oder der andere die Verschwörungstheoretiker-Glocke, vor allem als Totschlagsargument. Es sind vor allem diejenigen, die nicht weiter Denken können oder wollen. Ist es wirklich alles nur Zufall? Mir ist das auch nicht so wichtig, wie es dazu gekommen ist. Egal wie, warum ändern wir nichts? Die Frage bleibt, was tue ich, was tust du, was tun wir, um es wieder zum Guten zu wenden?
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