Was ist Ökostrom?
Ökostrom meint vor allem atomstromfrei und Verzicht auf Kohle- und Ölkraftwerke. Es wird auch immer wieder von Regenerativen Energien gesprochen. Regenerativ heißt letztendlich immer durch die Sonne gelieferte Energie. Manche Ökostromanbieter verbuchen auch sogenannte hocheffiziente gasgefeuerte kraftwärmegekoppelte Blockheizkraftwerke zum Ökostrom dazu. Das ist aus meiner Sicht auch erstmal ok.
Blockheizkraftwerke werden meist mit Gas befeuert und produzieren gleichzeitig Strom und Wärme. Beides wird nahezu optimal genutzt. Diese haben einen sehr hohen Wirkunsgrad zum Teil über 90%. Dies erreicht man nur
bei Dezentralität, also wenn neben der Stromerzeugung auch die Wärme optimal genutzt werden kann.
Solarstrom (Photovoltaik) wir meist durch Solarzellen produziert. Alte Solarzellen besehen aus Silizium, welches aufwendig gereinigt so ziemlich unbegrenzt zur Verfügung steht. Jedes Sandkorn besteht daraus. Es ist aber sehr Energieaufwendig. Die neue Dünschichttechnik ist verbraucht viel weniger Energie und die Herstellung und Entsorgung ist viel verträglicher. Die anderen Vorteile möchte ich nun gar nicht aufzähen. Bei letzeren wird nach zwei bis drei Jahren netto-Strom produziert. Bei einer garantierten Laufzeit von 20 Jahren ist das keine schlechte Bilanz.
Es gibt auch thermische Solarkraftwerke, die gerade in Spanien gebaut werden. Diese sind vor allem in südlicheren Breitengraden hoch effizient. Spielen aber derzeit noch keine große Rolle.
Windstrom wird duch moderne Windräder erzeugt. Sie stehen meist in Windstarken Lagen. Am vielversprechensten sind Offshore-Windparks - also im Meer stehende Windräder. Dort bläst der Wind immer. Natürlich sind die Windräder nicht so schön wie ein Solitärbaum in der Landschaft, doch bei der Wahl zwischen Atomkraftwerk, Kohlekraftwerk und Windrädern in meiner Nähe dürfte die Wahl sicherlich nicht so schwierig fallen.
Wasserkraftwerke nutzen das Gewicht des Wassers aufgrund einer Höhendifferenz. Damit wird dann Strom erzeugt. Entweder an Flüssen, Stauseen oder Gezeiten. Diese Kraftwerksart ist seit Jahrzehnten schon effizient und im Einsatz.
Biomassekraftwerke verfeuern Brennbares Material und wandeln die Energie in Strom um. Das sind zum Teil Holz-Hackschnitzel, Biosprit, Pflanzenöl oder Biogas. Die Perversion ist, dass auch versucht wird Weizen anerkennen zu lassen. Ich gehe davon aus, dass die vier echten Ökostromanbieter sowas niemals zulassen werden.
Bis auf die Photovoltaikanlagen brauchen alle Verfahren Generatoren um die kinetische Energie in Strom umzuwandeln.
Wie Öko ist der Ökostom?
Über die Umweltverträglichkeit läßt sich streiten. An dieser Stelle versuche ich erst gar nicht politisch Korrekt ein
Antwort darauf zu geben, da damit so viel Schindluder mit zum Teil
haaresträubenden Argumenten getrieben wird und ausarten würde. Eine 100% naturverträgliche saubere Energie ist noch nicht existent. Es bleibt weiterhin ein Traum, was nicht heißen soll, dass er nicht eines Tages in Erfüllung gehen könnte.
Fakt ist, dass die Mehrkosten für den umweltfreundlich erzeugten Strom geringer ist, als bei Atom- und Kohlestrom. Diese werden dann letztendlich durch die Allgemeinheit bezahlt.
Bei Schönau liegt der CO2-Ausstoß pro KWh bei ca. 12g. Im Bundesdurchschnitt über 500g!
Ökostromanbieter echte und unechte
Es gibt hier deutliche Unterschiede, die sind erheblich und sollten auf jeden Fall berücksichtigt werden. Fast alle Stromanbieter bieten mittlerweile auch Ökostromtarife an. Wie kommt dies so schnell zustande? Im Grunde gab es oder gibt es immer noch Überkapazitäten an sogenannten regenerativem Ökostrom. Dieser wird bei den "konventionellen" Anbietern nicht mehr ganz normal mit ausgeliefert, sondern als eigenes Paket verkauft. Diese hatten sozusagen gar nichts weiter zu tun, als einen weiteren Tarif anzubieten. Diese halten alle maßgeblich an ihrem alten Kraftwerkspark fest. Der neuste Trick sind RECS-Zertifikate (s.u.). Diese könnte man auch als unechte Ökostromanbieter bezeichnen.
Die echten Ökostromanbieter, haben keine Abhängigkeit zu konventionellen Kraftwerksbetreibern. Ihr Energiemix besteht ausschließlich aus Solar-, Wasser-, -Windstrom und effizienter Kraftwärmekopplung. Die folgend genannten lehnen alle die RECS-Zertifikate ab. Die Aufschlüsselung der Anteile wird jedes Jahr der Abrechnung beigelegt. Aktuell gibt es nur wenige echte Ökostromanbieter: EWS Schönau, Lichtblick, Naturstrom AG und Greenpeace Energy, welche kurz auf der Seite "Atomausstieg selber machen" vorgestellt werden. Die meisten besitzen keine eigenen Kraftwerke, sondern kaufen den sauberen Strom direkt bei den Lieferanten.
RECS-Zertifikate
Der übelste Ökostrom hat einen Namen: RECS-Zertifikate. Das wird sehr schön in dem Artikel auf Telepolis von Lars Lange beschrieben: Die Ökostrom-Lüge. Das Prinzip ist einfach. Damit der hiesige "Ökostromanbieter" überhaupt Ökostrom verkaufen darf (falls er keinen hat) kauft er sich sozusagen so viele Zertifikate wie er Ökostrom produzieren müsste, um seine Kunden zu beliefern. Er kann sich sogar ein neues Kohlekraftwerk bauen und es durch RECS-Zertifikate reinwaschen und diesen Strom dann als Ökostrom anbieten. Die Zertifikate stammen von echten Ökostromproduzenten und sind billig zu haben. Ob dann der Strom als konventioneller verkauft wird, ist jedenfalls in der Theorie so.
Konventionelle Stromerzeugung
Diese Art und Weise ist davon geprägt, möglichst große zentrale Anlagen zu bauen. Das hat gravierende Folgen, da von dort aus riesige Überlandleitungen gezogen werden müssen. Ineffizient, weil nur ein Teil der Energie zur Stromproduktion verwendet werden kann. Wärme kann nicht genutzt werden. Jeder Kilometer zusätzlicher Transport, beideutet Verschwendung an Energie, weil die Leitungsverluste von der Entfernung abhängen. Bei dezentraler kleinstrukturierter Stromerzeugung fällt das praktisch ganz weg.
Atomstrom ist weder CO2-Neutral wie immer dargestellt, denn Transporte, Auf- und Abbau einer Anlage und die Herstellung von den Brennstäben macht die CO2-Bilanz schlechter als bei KWKs. Der entstehende Abfall strahlt für unzählige Generationen nach uns. Die Risikotechnologie steht jedes Jahr wieder mit zahlreichen Pannen in der Presse. Sie sind mit lediglich 2 Milliarden Euro Versichert. Wenn was passiert, dann zahlt das immer der Steuerzahler, sowie die erfolglose Suche nach einem "Endlager". Solange niemand sagt, bei mir im Vorgarten könnt ihr eine Tonne hinstellen, ist die Technologie inakzeptabel. Nachhaltig betrachtest ist Atomstrom wohl mit Abstand das Schlusslicht. Siehe auch Fakten zur Atomenergie (PDF).
Kohle- und Ölkraftwerke sind wohl die größten CO2-Schleudern unter den Kraftwerken. Die Abgase werden aufwendig gereinigt und der neuste Gag sind CO2-freie Kohlekraftwerke. Hier soll das Klimagas abgeschieden werden und in die Erde gepumpt werden. Niemand weiß was damit passiert. Anstatt den Einfallsreichtum für zukunftsträchtige Techniken einzusetzen, setzt man weiter auf ein eigentlich schon totes Pferd.
Wer die Verantwortung dafür nicht übernehmen möchte, wechselt einfach seinen Stromanbieter.
Großkonzern oder Stadtwerke?
Der Unterschied zwischen den Großkonzernen und Stadtwerken liegt auch darin, dass Gewinne bei ersteren in Managergehälter, Dividende und Vorstandspensionen fließen, also den Reichen zugute kommt. Die Überschüsse von Stadtwerken der Allgemeinheit zugute kommt. Diese stützen die Preise von z.B. Schwimmbäder und Öffentlichen Nahverkehr.
Die Macht des Stromquartetts
Das Stromquartett besteht aus EnBW, RWE, Eon und Vattenfall. Diese vier Stromkonzerne besitzen je nach Rechengrundlage zwischen 82 und 90% der Stromerzeugerkapazitäten und deren Infrastruktur (Stromverteilungsnetze). Diese Marktmacht führt zu Rekordgewinnen dieser Konzerne und der Kunde bezahlte innerhalb von 6 Jahren 50% mehr für den Strompreis. Zusätzliche Gewinne spülen die CO2-Zertifikate in die Kassen, die diese Konzerne umsonst zugeteilt bekommen, jedoch in den Verkaufsstrompreis eingerechnet wird. Grundsätzlich sind Aktiengesellschaften lediglich dem Shareholder (Aktienbsitzer) verprlichtet. Ihn interessieren nur sprudelnde Gewinne...
Um nicht ganz so schlecht darzustehen, versucht z.B EnBW, welche vier Atomkraftwerke betreiben, in großen Anzeigen mit dem Ausbau erneuerbarer Energien geworben. Doch halten gerade die vier vor allem an ihrem Kraftwerkspark fest.
Wie kommt der Strompreis zustande?
Der Strompreis besteht zu 1/3 aus Stromeinkauf, 1/3 Netznutzung und 1/3 Steuern. Die Höhe der Bezugskosten richtet sich maßgeblich nach der Strombörse, auch wenn direkt vom Produzenten bezogen wird, denn die Stompreise an der Börse dient als Referenz. Steigende Preise werden an den Verbraucher weitergegeben. Da wie gerade erwähnt das Stromquartett kanpp 90% des Strommarktes beherrschen, diktieren diese in gewisser Weise auch den Strompreis an der Strombörse. Jeder wechselwillige Kunde zu einem unabhängigen Anbieter reduziert dessen Macht.
Der Preis an der Strombörse wird bestimmt durch Rohstoffe, Ausfall von Kraftwerken und der Nachfrage auf dem europäischen Markt. Dazu kommen Spekulationen und wahrscheinlich auch Manipulation der Großen. Bewiesen ist das jedoch noch nicht.
Ob die Durchleitungskosten gerechtfertigt sind, weiß man nicht so genau. Jedenfalls verdient leider beim Wechsel zu einem unabhängigen Anbieter dieses Quartett zu einem gewissen Teil mit. Dies ist fast unumgänglich. Deshalb spricht viel für die Trennung von Stromerzeugung und dem Stromnetz, wie von der EU vorgeschlagen. Dann hätten wir sogar Chancen auf fallende Strompreise.
Welcher Strom kommt aus der Steckdose?
Es ist physikalisch eindeutig: Der Strom nimmt immer den kürzesten Weg, der möglich ist. Das heißt Der ganze Strommarkt funktioniert hauptsächlich auf dem Papier. Natürlich bekomme ich solange ich "neben" einem Atomkraftwerk wohne auch den Strom dorther - egal welchen Vertrag ich habe. Doch würden alle Menschen umsteigen, würden die Betreiber wahrscheinlich ihre Kraftwerke abschalten müssen. Und darum geht es letztendlich.
Wohin also Wechseln?
Am sinnvollsten ist es zu einem der vier unabhängigen Ökostromanbieter zu wechseln, oder zu seinen Stadtwerken, wenn diese reinen Ökostrom beziehen und unabhängig von dem Stromquartett sind - und das sind nicht so viele. Dies kann man dort sicherlich erfragen. Nur die Ökostromanbieter: EWS Schönau, Lichtblick, Naturstrom AG und Greenpeace Energy (für Deutschland) können garantieren, dass sie jede Einnahme in den Aufbau weiterer Ökostromkapazitäten reinvestieren und zur Verbesserung unserer Welt beitragen.
Jeder Stromwechsel bedeutet weitere dezentrale kleine Blockheizkraftwerke, Solaranlagen, Wasserkraftwerke, Windparks usw. Mit jedem weiteren noch so kleinem Ausbau beschneidet man die Dominaz der großen. Wer heute zu den Ökostromern wechselt, wird damit langfristig die Strompreise drücken. Nebenbei trägt der Ausbau erneuerbarer Energien dazu bei, dass mittelfristig die Gesamtkosten für den Bürger gesenkt werden.
Der Wechsel:
Der Wechsel ist unglaublich einfach. Entweder druckt man sich ein Vordruck aus dem Internet aus, füllt diese aus und packt die letzte Stromabrechnung dazu und schickt es zu dem Anbieter. Der Vordruck besteht aus nicht viel mehr als der Adresse und der Bankverbindung. Der Rest wird von dem neuen Stromanbieter binnen kürzester Zeit geregelt. Das einzige was sich dann ändern wird ist, dass die Stromrechnung von jemand anderem eingezogen wird und dass man ein verdammt gutes Gefühl bekommt, etwas für die Welt getan zu haben.
Also worauf noch warten?
Aber mir leuchtet immer noch nicht ein, wieso RECS so schlimm ist. Es ist mir doch relativ egal, ob der Strom nun wirklich direkt von einem Wasserkraftwerk stammt oder alles in einen großen Topf geht und ich daraus beziehe. Hauptsache durch mich wird Ökostrom produziert. Oder liege ich da falsch?
Irgendwie habe ich das Gefühl die Sache mit den RECS wird von den Mini-Öko-Strom-Anbietern etwas arg breit getreten um überhaupt Argumente zu haben, warum Leute eben zu ihnen und nicht zu einem Konzern gehen sollten.
Wenn du zum Beispiel das Ökostromangebot eines konventionellen Anbieters nutzt, verdient dieser damit Geld, welches er wieder in Kohle- oder Atomstrom investieren kann.
Ich selbst beziehe seit ca. 5 Jahren Strom von Greenpeace energy und kann sicher sein, dass mein Geld in neue Anlagen zur Erzeugun regenerativer Energien fliest.
Da hab ich persönlich ein besseres Gefühl dabei. Mal ganz davon abgesehen, dass der Service dort vorzüglich ist und ich für die Kilowattstunde sogar weniger zahle, als unser örtlicher Stromversorger anbietet.
(Ja, ich stichle bewusst. Nicht böse sein. Ich will einfach gute Argumente für den Wechsel. Solche, wo man auch am Stammtisch damit verstanden wird.)
Vorher würden sie aber ihren Strom so billig wie nur möglich auf den Markt werfen und da würden genug diesen nehmen. Da würden von den "Jeder" ziemlich viele wieder zum billigeren wechseln.
Dieses Zertifikatssystem ist aus meiner Sicht lediglich eine Erfindung der Großen (Was man leicht sehen kann, wenn man die Köpfe von RECS Deuschland anschaut: http://www.recs-deutschland.de/impressum.php). Damit brauchen sie sich nämlich gar nicht selber im Ökostrommarkt zu engagieren, sondern kaufen einfach so nach Bedarf so viele Zertifikate und verkaufen ihren billigen "Drecksstrom" (ich will auch stammtischtauglich argumentieren) einfach als teuren Ökostrom weiter - weil es der brave Kunde ja so will.
Wer also keine Kohle-, Öl-, oder Kernkraft unterstützen will, muss zu einem davon unabhängigen Anbieter wechseln, sonst ist er für den Weiterbetrieb dessen Kraftwerke (die er womöglich ablehnt) mitverantwortlich - ob mit oder ohne Ökostrom.
Dem umweltbewusst denkende Mensch muss klar sein, dass wenn der RECS-Strom bezieht ein Nullsummenspiel mitspielt. Der Kunde bekommt dann zwar Ökostrom geliefert, ein anderer aber dafür mehr Atom- und Kohlestrom.
Das RECS-System ist in dem Sinne nicht nachhaltig, da solch ein Stromanbieter nicht vorrangig in regenerative Energien investiert.
Politisch setzt man Zeichen, wenn man zu einem echten Ökostromanbieter wechselt. Je mehr desto besser, denn dann bekommen diese auch das notwendige politische Gewicht, um eine Energiewende einzuleuten. Man betrachte nur die Diskussion um über 20 Kohlekraftwerke, ohne die Kunden wäre sowas nicht möglich...
ich habe gerade meine Jahresabrechnung von Greenpeace-energy bekommen und bekomme über 200,00€ zrück erstattet und einen neuen monatlichen Abschlag von 30,00 €. Wir leben zu zweit und haben eine über 100 qm große Wohnung mit allem was dazu gehört, inkl. Fernseher, PC etc. Vielleicht solltest du mal überlegen, wo du noch Strom sparen kannst.
Ich denke, du müsstest mit 20,00 € im Monat für Strom auskommen und die lassen sich doch auch als Stundent finanzieren.
Als kleinen Tip am Rande, auch für alle anderen Interessierten:
Kauft euch das Buch "50 einfache Dinge, die man tun kann, um die Welt zu retten und wie man dabei Geld spart.
Kostet um die 5,00 € und ist sein Geld wirklich wert.
Liebe Grüße
Diana