Das Zugpferd
Die Zukunft der ökologischen Landwirtschaft liegt (hoffentlich) nicht in der totalen Maschinisierung, sondern in
der Arbeit mit Zugpferden. Wer je mit Pferden gearbeitet hat wird das bestätigen können.
Man ist begeistert von der angenehme Atmosphäre, die bei der Arbeit mit dem Pferd entsteht: Anstatt
stinkender Abgase der "herrliche" Geruch von Pferden, anstatt des lauten Schleppermotors hört man
Vogelgezwitscher und das zuvor nie wahrgenommene Geräusch des Pflugschars, wie es den Boden aufbricht.
Natürlich ist ein Pferd im Umgang nicht so einfach wie ein Traktor. Man kann es nicht so leicht abstellen,
es hat einen gewissen eigenen Willen oder ein lautes Geräusch führt zu einer unerwarteten Reaktion - Pferde leben.
Man muss also immer Wach bei der Arbeit bleiben. Dafür wird man am Abend nach getaner Arbeit belohnt:
Mit geistiger Frische.
Der Traktor sollte jedoch weiterhin seinen Platz im Betrieb haben. Es gibt immer wieder Arbeiten,
die man dem Pferd entweder ersparen sollte oder nicht mit dem Pferd machbar sind. So ist zum Beispiel der
Frontlader sicherlich schwer mit dem Pferd zu ersetzen und hilft den Rücken im allgemeinen zu schonen.
Ideal für das Pferd sind alle Pflegemaßnahmen wie Eggen, Striegeln, Hacken, Abschleppen, Walzen und Grubbern.
Das Pflügen (vor allem der Umbruch von Grünland), Kartoffelernte mit dem Schleuderradroder
ist für Norweger Pferde zu schwerzügig. Dazu müssen dann Kaltblüter eingesetzt werden. Dafür kann man im
zeitigen Frühjahr, wenn es für den Traktor noch zu feucht ist auf das Feld. Steine zu sammeln ist mit
dem Pferd viel angenehmer als mit dem Traktor, denn es läuft nicht ständig ein lauter Motor.
Besonders erfreulich ist, wie sich die Bodenfruchtbarkeit mit der Umstellung auf Pferdezug verbessert.
Die Ackerkrume wird lockerer und gleichmäßiger. Verdichtungen von Fahrspuren oder Pflugsohlen sind nicht
vorhanden. Der Betrieb wird durch die Pferde bereichert.
Mittlerweile gibt es neben den alten noch brauchbaren Geräten, die noch auf Bauernhöfen rumstehen
auch moderne weiterentwickelte Geräte bishin zu Vielfachgeräten mit Wechselrahmen.
Eggen, Striegeln und Walzen gibt es auch mit Arbeitsbreiten von über 3 Metern.
Das Pflügen von 1 ha dauert zweispännig mit einem einscharigen Pflug ca. 15 Stunden bzw. 2-3 Tage.
Schneller geht es natürlich beim Schälen mit dem Zweischarpflug. Das hat noch den weiteren Vorteil, dass
man den Pflug nicht halten muss und nicht in der Furche laufen braucht. Gesund ist auch das eigene
Laufpensum: Um die 40-50 km pro Hektar. Im Zuge der Wirtschaflichkeit, kann es durchaus Sinn machen 4-spännig zu fahren.
Die Arbeitsleistung nimmt mit der Anzahl der Tiere nicht linear zu.
Ob sich der Aufwand lohnt muss jeder für sich entscheiden. Arbeit mit dem Pferd hat etliche limitierende
Faktoren wie Flächengröße, Anzahl Arbeitspferde pro Arbeitskraft, Flächenentfernungen und letztendlich Zeit.
Auch die Umweltverträglichkeit ist im Vergleich zu den von Menschen entwickelten Technologien deutlich besser. Von dem Verhältnis
von Energieausnutzung und Leistung ganz zu schweigen. Das Pferd arbeitet praktisch umweltneutral und fügt sich im biologischen
Kreislauf ein. Die Energie kommt aus umgewandelter Sonnenenergie, die bekanntlich im Überfluss vorhanden ist. Daraus könnte man
schließen, dass das Pferd eines der modernsten Arbeitsgeräte darstellt.
Für uns ist es noch ein Traum. Aber Träume gehen bekanntlich nur nicht in Erfüllung weil sie vergessen werden...
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