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Die Welt ist schön! Märchen vom Wald - Graf A.W. von Czege

Was der Vater seinem Kinde sagt  -   Der Wald  -   Der alte Pilzmacher  -   Vom kleinen grauen Hasen  -   Bulambukk  -   Vom Hirsch, der seine Krone verlor  -   Von den Schmetterlingen  -   Bonifaz, der Osterhase  -   Das Märchen von den blauen Bergen  -   Der Eichelhäher und das Reh  -   Maiglöckchens Traum  -   Goldvogel

Was der Vater seinem Kinde sagt

Ja, mein Kind: wir haben unsere Heimat verloren. Wir haben "alles" verloren, wie man heute zu sagen pflegt. Und doch: die Welt ist schön.

Ein Rauschen zieht durch den Wald. die Bäume singen leise, und unsichtbare Finger streicheln das zitternde Laub.

Tau schimmert auf der Spitze des Grashalmes. Es gibt Schmetterlinge und es gibt Blumen. Der Pirol verschönert die tausend Hässlichkeiten dieser Welt mit einem einzigen Pfiff.

Schau Dir die Welt genau an. die Bäume schau an, die Vögel. die Rehe. die Schmetterlinge. die Blumen, wie sie mit ihren aufplatzenden Knospen emporjubeln zur holden Sonne. Kümmere dich nicht all zu viel um die Menschen. Sie beschäftigen sich meistens nur damit, die Welt zu verderben

Sammle nie nutzlose Dinge: Briefmarken, Zündholzschachteln, Münzen, Vermögen. Nur das Schone soll sich in dir sammeln. Das Schone, das du mit deinen Augen siehst, mit deinen Ohren hörst, mit deiner Nase wahrnimmst und mit deinen Fingerspitzen betastest. Und was du noch dabei denkst, so daneben, das sollst du sammeln.

Man kann dein Spielzeug fortnehmen. Man kann deine Kleider fortnehmen, man kann Geld, Vermögen, alles fortnehmen von dir. Es gibt aber keine Macht auf dieser Erde, die dir nehmen könnte die bunten Farben der Schmetterlinge und die Freude darüber, dass der Frühlingswind süße Birkendüfte mit sich trägt, und dass das Amsellied im Walde aufklingt.

Ein junger Offizier stand einmal vor seinem General. Der General sprach mit harter, strenger Stimme. Er sprach über den Krieg. Im Schatten seiner Worte drohten riesige Panzer, Bomben krachten, und Maschinengewehre bellten wie wütende Hunde des menschlichen Hasses.

Und das Fenster war offen. Und vor dem, Fenster stand ein Pfirsichbaum in voller Blüte des Frühlings. Rosa war er, wie ein Engelstraum, und wunderschön. Der junge Offizier sah ihn bezaubert an.

Der General verstummte plötzlich. "Woran denken Sie eigentlich?" fragte er gereizt. "Da draußen der Pfirsichbaum", antwortete der junge Offizier, "ist in voller Blüte."

Der junge Offizier wurde damals bestraft. Der General, der ist nirgends mehr. Und was er damals sagte, ist im Winde der Zeit zerronnen wie eine Nebelwolke. Das einzige, was von jenem Tage blieb, ist die Erinnerung, dass der Pfirsichbaum rosa war und prächtig, wie er vor dem Fenster stand, lachend in der warmen Frühlingssonne, und nichts vom Kriege wusste.

Dem Offizier ist auch nichts mehr geblieben aus jener Zeit, nur diese Erinnerung. Hatte er damals die Farben nicht bewundert, hatte er den herrlichen Duft der tausend rosa Blüten damals nicht tief, ganz tief in seine Seele eingeatmet, so wäre er noch viel armer als jetzt. Jener junge Offizier war dein Vater, mein Kind.


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