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Die Pflanzenwelt im Biogarten

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Kartoffel (Solanum tuberosum L.)

Pflanzenfamilie: Nachtschattengewächse (Solanaceae)
Typ: Wurzel-u. Zwiebelf.
Planetenkonstellation: Wurzel
Nährstoffbedarf: Starkzehrer
Boden: 5,25 pH
Kulturdauer: 120 Tage
Günstige Vorkultur: Ackerbohne
Mischkultur günstig mit: Knoblauch, Kohl, Meerrettich, Spinat, Dicke Bohne, Mais, Tagetes, Meerrettich, Pfefferminze
Mischkultur ungünstig mit: Erbsen, Kürbis, Rote Beete, Sellerie, Sonnenblume, Tomate
Keimtemperatur: 15 °C
Planzabstand: 70-90x30-40 cm

Aussaat - Pflanzung - Ernte

Jan. Feb. Mär. Apr. Mai Jun. Jul. Aug. Sep. Okt. Nov. Dez.

Aussaat - Anzucht
Pflanzung - Freiland
Erntezeit

Allgemeines

Wahrscheinlich brachten die Spanier Mitte des 16. Jahrhunderts die Kartoffeln nach der Entdeckung des Inkareiches aus den Anden nach Europa mit. Erst nach rund 200 Jahren konnte der Kartoffel wirtschaftliche Bedeutung beigemessen werden. In Preußen konnte der Anbau nur mit Gewalt durch Friedrich der Große durchgesetzt werden. Auf dem hiesigen Speisezettel steht sie also noch gar nicht so lange.

Unsere Sorten sind im Gegensatz zu den in Südamerika noch angebauten Kartoffeln leider nicht frostresistent. Alle Grünen Pflanzenteile sind giftig und enthalten das Gift Solanin.

Boden und Klima

Das Wurzelsystem der Kartoffel dringt nicht sehr tief in den Boden ein und reagiert deshalb empfindlich auf Bodenverdichtungen. Im optimalen Fall beträgt die durchwurzelte Zone um die 60cm. In Jahren mit ungünstiger Witterung macht sich das deutlich durch Mindererträge bemerkbar. Verdichtungen enstehen im Anbaujahr, wenn beim Legen der Boden zu feucht befahren wird. Aber auch Pflugsohlen der vergangenen Anbaujahre sorgen für schlechte Nährstoffversorgung und zu wenig Wasser. Prüfen sie deshalb bei jedem Arbeitsgang, ob der Boden ausreichend abgetrocknet ist - nicht nur oberflächlich.

Da weder das grüne Kraut noch die Knollen frostresistent sind, muss darauf Rücksicht genommen werden. Im ach so geliebten Frühkartoffelanbau wird viel Energie darauf verwendet, die Kartoffelpflanzen vor Frost zu schützen. Ebenfalls die Ernte muss vor dem ersten Frost eingefahren sein.

Bodenbearbeitung

Bodenbearbeitung oder Legen bei nassen Bodenbedinungen führt zu Klutenbildung, verformten Knollen und Beschädigungen bei der Ernte. Kalte nasse Böden fördern den Befall von Rhizoctonia schon am Keim.

Für eine bessere Erwärmung des Bodens, empfiehlt es sich anfänglich flache Dämme zu bilden.

Anzucht

Zwei grundlegende Faktoren begrenzen den Kartoffelertrag im ökologischen Landbau: das frühe Absterben des Kartoffelkrautes durch Krautfäule (Phytophthora infestans) und die begrenzende Stickstoffnachlieferung besonders auf viehlosen Betrieben. Ein weiterer garant für gute Ernte sind die Pflanzkartoffel. Diese müssen möglichst gesund und vital sein. Sie müssen im Frühjahr noch turgeszent sein, also sich nicht gummiartig anfühlen.

Um Zeit beim Anbau zu sparen, kann man Kartoffeln vorkeimen oder besser gesagt vortreiben lassen. Dazu werden Sie an einem hellen und trockenen Ort bei knapp 10°C in Obststeigen ausgelegt. Höhere Temperaturen und Dunkelheit führen zu langen Geiltrieben, die man vermeiden möchte. Der Ertrag um 25 % höher liegen, in Jahren wo Krautfäule auftritt. Die Vorkeimung verfrüht die Knollenentwicklung um etwa zwei Wochen. Bleibt die Krautfäule aus (was jedoch eher die Ausnahme sein dürfte) ist der Ertragsunterschied trotz Wachstumsvorsprung minimal. Wer die Vorkeimung nicht sachgerecht durchführen kann, sollte wenigstens die Keime stimulieren.

Wer Anfang Juni schon Kartoffeln ernten möchte, muss erheblichen Aufwand dafür Treiben. Die Knollen müssen dann schon im März gelegt werden und nicht nur vor Nachtfrösten sondern allgemein vor Frost geschützt werden. Frühkartoffeln werden etwas dichter gesetzt als normale. Es reicht ein Pflanzabstand von ca. 25cm.

Ob nun Kartoffeln in Dämmen oder ohne angebaut werden sollten, kann nur jeder für sich selber ausprobieren und entscheiden. Der Hauptvorteil der Dammkultur ist einfachere mechanische Unkrautbekämpfung und Ernte. Sie ist die Hauptanbauform der Kartoffel. Wichtig ist das Legen in einen ausreichenden erwärmten Boden. Wer einen sicheren Ertrag haben möchte, setzt nicht zu früh, um die Wahrscheinlichkeit zu verringern, dass es nach dem Pflanzen wieder kalt und nass wird.

Pflege

Als typische Hackfrucht, mag es die Kartoffel gehackt zu werden. Dabei wird immer wieder angehäufelt, vor allem um das Unkraut zu unterdrücken. Dies geschieht wenn die Unkräuter gerade erst sichtbar sind und nicht, wenn man sie kaum noch entwurzeln kann. Dies spart erstens viel Energie - ob nun mit der Hand oder mit dem Gerät und zweitens ist der Erfolg solcher Maßnahmen deutlich erfolgreicher.

Düngung

Kartoffeln benötigen bereits im Mai und Juni den größten Teil der Stickstoffmenge. Dies müssen die Vorfrucht und unter Umständen eine organische Stickstoff-Düngung gewährleisten. Eine Zusatzdüngung mit relativ schell mineralisierenden organischen Düngern wie Hornspänen, Rizinusschrot oder Agrobiosol ist bei einer zu erwartenden niedrigen Stickstoffnachlieferung sinnvoll. Dies gilt eher für den Erwerbsanbau als für den Hausgarten.

Wurde organischer Substanz mit einem weiten Kohlenstoff/Stickstoffverhältnis eingearbeitet, ist der Stickstoff wahrscheinlich zu spät verfügbar. Dieses fördert außerdem die Infektion der Kartoffelkeime mit Rhizoctonia. Deshalb verwendet man gut verrotteten Mist und diesen schon im Herbst auf die Vorfrucht oder Zwischenfrucht ausbringen. Der Stickstoffauswaschung sollte deshalb vorgebeugt werden. Bei Frühjahrsdüngung vor dem Anbau an Stelle von Mist eher Gülle oder Stickstoffhaltige Zukaufsdünger verwenden.

Eine Kalkung vor oder zu Kartoffeln erhöht das Risiko von Schorfbefall.

Wenn man einen guten lebendigen Boden hat, braucht man sich in der Regel nicht um gute Kalium- oder Magnesiumversorgung zu kümmern. Diese Nährstoffe entscheiden über Empfindlichkeit, Schwarzfleckigkeit und Lagerfähigkeit.

Schädlinge und Krankheiten

Für Kartoffeln gilt ein Anbauabstand von mindestens vier Jahren, ansonsten gibt es keine Beschränkungen durch Fruchtfolgekrankheiten bei den Vorfrüchten.

Neben Kartoffeln dürfen niemals Gladiolen wachsen, denn diese rauben den Kartoffeln die Lebensenergie. Dies führt zu starkem Minderertrag und Schorf.

Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans) tritt fast jedes Jahr auf. Sie kann versucht werden mit Ackerschachtelhalmbrühe vorbeugend aufgehalten zu werden. Dazu wird vor allem der Boden behandelt und zusätzlich die Pflanzen. Kupfermittel sollten nur im äußersten Notfall eingesetzt werden. Im Ökologischen Landbau sind maximal 500g bis 3kg/ha und Jahr zugelassen. Als Kleingärtner ist die Dosierung schwierig. Vor der Anwendung wird überprüft, ob die Knollen sich nicht schon sehr gut entwickelt haben. Wenn ja, wird das Kraut entfernt und die Cu-Spritzung gespart. Als Einzelmaßnahme alleine nutzt eine Kupferspritzung nicht viel, um den Ertrag zu sichern. Erst wenn alle Anbaubedingungen optimal sind, verspricht die Anwendung einen sicheren Ertrag.

Vor in Betriebname einer neuen Fläche sollte das Risiko des Drahtwurmbefalls abgeschätzt werden. Drahtwürmer sind die Larven verschiedener Arten des Ackerschnellkäfers. Sie schädigen die Kartoffeln durch Lochfrass. Je häufiger Kleegras und Kleegrasuntersaaten in der Fruchtfolge stehen, oder je näher die Kartoffelfläche an Grünland angrenz, umso wahrscheinlicher ist der Besatz von Drahtwürmern. Eine exakte Methode zur Bestimmung dieses Risikos gibt es nicht. Man kann aber halbe Karoffeln in die vorgesehenen Fläche eingraben und nach 2-3 Wochen wieder ausgraben. Dies soll bei der Bestimmung des Risikos hilfreich sein.

Bei unsachgemäßer Lagerung, kann die Knollennassfäule (Erwinia) erheblichen schaden anrichten.

Ernte

Zur Ernte müssen die Kartoffeln schalenfest sein und die Stolonen (Verbindung Zwischen Pflanze und Knolle) sollten sich leicht von den Knollen lösen. Zuvor muss das Kraut ca. 20 Tage lang abgestorben sein. In unseren Anbauregionen wird dieser natürliche Reifezustand meist künstlich hervorgerufen, in der Regel kommt die Kraut- und Knollenfäule zu vor. Deshalb muss bevor diese in die Knollen wandert, das Kraut entfernt werden. Die ideale Knollenerntetemperatur beträgt etwa 15°C und unter 12°C ist die zumindest die mechanische Ernte nicht zu empfehlen. Die Bodenverhältnisse sollten so gegeben sein, dass die Knollen gut zu ernten sind, jedoch der Boden gut trägt. Ein feuchter Boden erleichtert die Ernte.

In den Hitzeperioden 2006 bis Anfang August führte zu Temperaturen in den Dämmen bis zu 25°C. Dies führt bei empfindlichen Sorten zur Brechung der Keimruhe. Es entsteht dann Zwiewuchs (Keimung, Wiederergrünen, Kindel- und Kettenbildung). Die Folge ist geringere Keimenergie. Wurde dabei zuviel Stärke entzogen und die Kartoffel sogar glasig geworden, ist sie nicht mehr zu gebrauchen. Nur eine optimale Lagerungstemperatur kann eine im Herbst begonnene Keimung stoppen.

Lagerung

Die Kartoffeln müssen in kurzer Zet nach der Ernte, am besten innerhalb eines Tages, so trocken sein, dass sich Krankheitserreger nicht weiter ausbreiten können. Für ihre Vermehrung benötigen die Erreger ausreichend Feuchtigkeit an der Knollenoberfläche. Bei Speisekartoffeln ist eine drei- bis vierwöchige Vorlagerungszeit bei 15 °C empfohlen, damit die Schalen fest werden und verkorken. Die erforderliche Temperatur für die Dauerlagerung beträgt 4-5 °C. Sind diese Temperaturen auch im Dezember noch nicht erreicht, wird eine Lagerung bis ins späte Frühjahr hinein schwierig. Ist die Luftfeuchtigkeit zu gering, führt das zur Dehydrierung (schrumpeligen Kartoffeln).

Wichtig ist, dass Kartoffeln nicht im gleichen Raum wie Äpfel gelagert werden. Diese strömen Etylen aus, was die Kartoffeln zum Anlass nehmen ihre Keimruhe zu beenden.

Keimhemmend wirken auch einige Ätherische Öle wie z.B. das Kümmelöl.

Vermehrung

Da wir keinen Samennachbau betreiben, gilt unser Interesse ausschließlich der Knolle. Die Vermehrung der Kartoffel geschieht also ungeschlechtlich, das heißt die Nachkommen werden aus den Knollen und nicht aus den Samen gezogen. So gesehen besteht eine einzelne Kartoffelsorte von lauter genetischen Klonen einer einzigen Pflanze. Heutige Sorten wird da natürlich mit Biotechnologie nachgeholfen und mit Hilfe von Invitrokulturen viele Nachkommen erzeugt. Die Saatkartoffeln sollten mindestens die Größe eines Hühnereis haben. Sind sie kleiner, werden daraus wohl keine kräftigen Pflanzen entwickeln. Ist die Saatkartoffel dagegen zu groß und weist viele Augen (Knospen) auf, können wir sie Teilen. Die Schnittflächen sollten mindestens einen oder zwei Tag trocknen, sonst faulen sie zu leicht im Boden. Falls zu viele Augen auf den Saatkartoffeln vorhanden sind, tendieren die Kartoffeln zu viel Kraut auf kosten der Neuanlage von neuen Kartoffeln.

Der Vorteil der ungeschlechtlichen Vermehrung ist, dass wir so viele Sorten nebeneinander Anbauen können, ohne die kleinste Gefahr dass sie sich kreuzen.

Die Kartoffel selber ist auch selbstbestäubend, so dass theoretisch über die Aussaat der Anbau erfolgen könnte. Die Samen dienen jedoch höchstens den Züchtern als Basis für neue Sorten. Die Gewinnung der Samen und den drauf folgende Anbau erfolgt wie bei der Tomate beschrieben.


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