Natürliche Landwirtschaft nach Masanobu Fukuoka
Ich bin mir eigentlich sicher, ob man alle seine "Nicht-tun-Anbau"-Anbauvorschläge auf unsere
klimatischen Verhältnisse adaptieren kann. Seine Aussagen sind so sehr
einleuchtend, dass sie mich sehr zum nachdenken gebracht haben.
Was plagt man sich eigentlich unnötig so im Garten? Könnte es nicht auch viel leichter gehen?
Ich werde mit Sicherheit im nächsten Gartenjahr anfangen zu experimentieren...
Ich versuche hier die Kernaussagen zusammenzufassen:
Die Prinzipien Fukuokas
- "Nicht fragen, was man tun sollte, sondern sich fragen, was man unterlassen kann!"
- Die Natur kann vom menschlichen Verstand nicht begriffen werden
- Die Natur ist das perfekte Vorbild
- Ziel des Gartenbaus ist die Kultivierung und Perfektion menschlicher Wesen
- es gibt wenig landwirtschaftliche Praktiken, die wirklich nötig sind
- keine Maschinen
- keine Chemikalien
- Chemische Dünger entziehen dem Boden die Vitalität
- sehr wenig unnatürliche mechanische Unkrautregulierung
- Unkrautregulierung durch Stroh und Weißklee
- keine Kompostierung
- keine Bodenbearbeitung
- Dauerbegrünung
Fukuoka ist also nicht grundsätzlich gegen Arbeit, sondern nur gegen unnötige. Die Natur
dient als das perfekte Vorbild und diese Natur spiegelt die Prinzipien Fukuokas wieder.
Natürlicher Anbau ist sanft und leicht und zeigt eine Rückkehr zur Quelle des Ackerbaus an.
Ein einziger Schritt weg von der Quelle führt uns nur in die Irre.
Verhältnis Mensch-Natur
Der Mensch stellt sich etwas unter Natur vor, jedoch ist dies nur eine Idee. Die
Isolation eines Dinges vom Ganzen ist aber nicht Wirklichkeit.
Deshalb ist die Ironie der Wissenschaft, dass sie lediglich zeigt, wie wenig der Mensch doch weiß.
Die Vier Prinzipien des natürlichen Anbaus
1. Nicht-Bearbeiten
Die Erde kultiviert sich auf natürliche Weise selbst, durch Pflanzenwurzeln und der Aktivität
von Mikroorganismen, kleinen Tieren und Regenwürmern. Durch das nicht bearbeiten und
dauerbegrünen (Schattengare) der Anbauflächen verbessert sich die natürliche Bodenfruchtbarkeit von
Jahr zu Jahr.
2. Nicht-Düngen
Es werden keine chemischen Dünger oder fertiger Kompost eingesetzt. Als "Dünger" werden
Leguminosen (Weißklee) in Untersaat angebaut und das Stroh wieder auf den Feldern verteilt. Ein wenig Hühnermist
wird auch ausgebracht.
3. Keine Unkrautbeseitigung
Unkräuter haben einen unschätzbaren Wert beim Aufbau der Bodenfruchtbarkeit und beim
Ausbalancieren der biologischen Gemeinschaft. Unkraut wird höchstens kontrolliert, nie beseitigt.
4. keine Chemikalien
Der sensible Weg zur Krankheits- und Insektenkontrolle sind kräftige Pflanzen in gesunder Umgebung. In
intakter Natur sind sogenannte Schädlinge selten ein Problem.
Gemüseanbau wie Wildpflanzen
Die Idee ist es Gemüse halb-wild anzubauen. Es wird ein natürlicher Kreislauf angestrebt.
Man kann überall Gemüse anbauen, wo es kräftiges und vielfältiges Unkrautwachstum vorhanden ist.
Grundlage dafür ist es, sich mit dem jährlichen Zyklus und den Wachstumsmustern der Kräuter und Gräser
vertraut zu werden. Aufgrund der Vegetation, lassen sich Rückschlüsse auf den Boden machen, welche
Erde es dort gibt und ob es einen Mangel vorherrscht oder nicht.
Im Frühjahr, wenn das Winterunkraut abstirbt und bevor das Sommerunkraut sprießt
werden Gemüsesamen auf die
freien Flächen (z.B. unter den Bäumen) ausgesät. Für die Herbstsaat ist der ideale Zeitpunkt,
wenn das Sommergras gelb wird und die Winterunkräuter noch nicht erschienen sind. (Hmm bei uns
ist das Gras jedenfalls immergrün...). Das Unkraut wird höchstens zwei- bis dreimal zurückgeschnitten bis
die Gemüsepflänzchen sich durchgesetzt haben. Einige Gemüsearten säen sich selber wieder aus
und (wahrscheinlich durch natürliche Kreuzung mit Wildpflanzen) kehren zu den Wachstumsgewohnheiten
ihrer Vorfahren zurück und der Geschmack wird wieder leicht bitter. Viele dieser Gemüse sollen
ohne Pflege wachsen. Die Besten Erfahrungen hat Fukuoka damit gemacht, den Samen willkürlich zu
verteilen. Samen, die schwer keimen (Karotten, Spinat) werden ein bis zwei Tage in Wasser gelegt,
in Tonpelets verpackt und ausgesät.
Tomaten und Auberginen sollten aufgrund ihrer mangelnden Jungendentwicklung in Saatbeeten
vorgezogen werden und werden später gepflanzt. Anstatt die Tomaten hochzubinden läßt
Fukuoka sie einfach wachen.
Gurkensämlinge muss man umsorgen, bis sie eine gewisse Größe erlangt haben. Als Rankhilfe legt
man einfach ein paar Äste hin.
Kartoffeln sind stark genug und wachsen einfach zwischen dem Unkraut durch. Fukuoka läßt
immer ein paar Knollen im Boden, so kommen die Kartoffeln immer wieder. Ob es allerdings bei
uns im Winter mild und trocken genug ist, damit die Kartoffeln nicht im Winter erfrieren oder
verfaulen ist glaube ich nicht gewährleistet.
Wenn verschiedene Kräuter- und Gemüsesorten zusammen gemischt und zwischen der natürlichen
Vegetation angebaut werden, bleibt der Schaden durch Insekten und Krankheiten minimal. Es ist
unnötig einzugreifen. Desweiteren ist die Qualität der Angebauten Gemüsen und Kräuter sehr hoch,
sie besitzten einen sehr hohen Nährwert und sind auch als Medizin wertvoll. Nahrung und Medizin
sind keine unterschiedlichen Dinge: Sie sind die Vorder- und Rückseite einer Medaille. Nahrungsmittel aus
der Umgebung sind die Besten für den Menschen.
Die Getreide-Aussaat
Hier findet vor allem ein Wechsel zwischen Wintergetreide (Gerste, Roggen) und Reis statt. Zu dieser
Fruchtfolge (Wintergetreide - Reis) ist mir noch keine Alternative in unseren Breiten eingefallen.
Die Natur dienst als Beispiel und so wird gesät, wenn es die Natur tun würde. Idealerweise mit
der Hand zwischen die abreifende Frucht. Als Untersaat verwendet Fukuoka Weißklee.
Nach der Ernte bzw. nach dem Drusch wird das Stroh ohne es zu zerkleinern auf dem Feld
ungeordnet ausgebracht, sodass eine gewisse Unkrautkontrolle, Vogelschutz und Fruchtbarkeitssteigerung
stattfindet. Wichtig ist, das nicht das Stroh für gleiches Getreide verwendet wird, wegen der
Übertragung von Krankheiten. Ich weiß nur nicht was für ein Reis ich hier anbauen soll?
Geerntet wird per Hand mit der Sichel.
Als Unkrautkontrolle setzt er einmal im Jahr die Felder für 7-10 Tage unter Wasser. Das ist bei
uns so nicht möglich.
Mengenmäßig gibt hier Fukuoka an, auf 1000 qm Feld ca. 1 Pfund Weißklee und je nach Getreide
6,5 bis 13 Pfund Wintergetreide zu verteilen. Als Vogelschutzmaßnahme wird aus dem Saatgut Lehm-Pellets
hergestellt. Er gibt an, Spitzenerträge zu erzielen.
Lehmpellets oder Tonpellets für Samen
In einer flachen Schale mit trockenem Lehm oder Ton wird das Saatgut kreisförmig bewegt. Ab und zu wird
feiner Wassernebel zugegeben. Das wiederholt man solange bis das Saatgut verpackt ist. Weitere
Vorteile des Ausbringen von Saatgut auf die Oberfläche sind Sauerstoffzufuhr, Vogelfraßschutz,
und das nicht Verfaulen in der Erde.
Natürlicher Anbau von Obstbäumen
Früchte ohne Beschneiden, Düngen oder Verwendung von chemischen Spritzmitteln, ist nur
innerhalb einer natürlichen Umwelt möglich. Das funktioniert wohl nur, wenn der Baum aus dem
Samen an Ort und Stelle natürlich wächst. Es werden keine Pflanzlöcher ausgehoben, sondern der
Boden allein dadurch verbessert, dass die Untersaat aus Weißklee und Alfalfa im Spätsommer gesenst
und liegengelassen wird.
Weißklee als Untersaat
Weißklee hat mehrere Vorteile. Es unterdrückt auf natürliche Weise Unkraut, da er sehr dicht wächst.
Als lebende Mulchschicht reichert er die Erde an, beschattet sie und hält damit den Grund feucht. Die
Bodenstruktur verbessert sich. Der ideale Zeitpunkt zum aussäen ist Spätsommer bis in den Herbst hinein.
Grenzen der Wissenschaft
Egal, wie sehr die Wissenschaft sich bemüht, sie wird auf natürlich angebautes Obst und Gemüse
nicht übertreffen. Auf unnatürliche Weise angebautes befriedigt die flüchtigen Wünsche der Leute,
schwächen aber gleichzeitig den menschlichen Körper und verändern die Körperchemie, so dass er
von diesen Nahrungsmittelnabhängig wird. Wenn dies eintrifft, werden Ergänzugsmittel, Vitamine und
Medizin notwendig. Diese Situation schafft nur leiden für den Verbraucher und Mühsal für den Bauern.
Falls die Früchte ohne landwirtschaftliche Chemikalien, Dünger und Maschinen angebaut werden sollten,
würden die riesigen Chemiefirmen unnötig werden und die landwirtschaftlichen Behörden würden
zusammenbrechen. Jedoch bis das Vertrauen in große technologische Lösungen vergangen ist, wird
die Verschmutzung noch schlimmer werden.
Gleich wie die Wissenschaftler die Natur untersuchen, gleich wie weit sie forschen, sie müssen am Ende
nur erkennen, wie perfekt und geheimnisvoll die Natur ist. Dass diese die Natur verbessern könnte ist eine
Illusion. Die Leute studieren, weil sie denken, dass sie nicht verstehen, aber studieren verbessert nicht
das Verständnis. Sie studieren schwer, nur um am Ende herauszufinden, dass die Menschen gar nichts
wissen können, dass Verstehen jenseits menschlicher Fassungskraft liegt.
Nur der Natur dienen und alles ist gut
Solange es keine Umkehr des Wertegefühls gibt, das sich mehr um Größe und Aussehen als um Qualität
sorgt, wird es keine Lösung des Problems der Nahrungsvergiftung geben. Der Verbraucher hat hier
letztendlich die Verantwortung.
Eher schnell als, langsam, eher mehr als weniger - so ist diese blendende "Entwicklung" direkt mit
dem drohenden Kollaps der Gesellschaft verbunden. Sie hat zur Trennung des Menschen von der Natur
geführt. Die Menschheit muss aufhören, dem Verlangen nach materiellen Besitztümern und persönlichen
Vorteilen zu frönen und sich stattdessen auf spirituelle Bewusstheit zu bewegen.
Die meisten Menschen klammern sich ans Leben, wie sie es schon erlebt haben und dieses Verhaftet sein
schafft Angst vor dem Tod. Sie schenken nur der Vergangenheit ihre Aufmerksamkeit, oder der Zukunft
und vergessen dass sie hier und jetzt auf der Erde leben. In Verwirrung ringend sehen sie ihr Leben wie
in einem Traum vorüber gehen.
Die Landwirtschaft muss von großen mechanischen Betrieben zu kleinen Höfen übergehen, die nur dem
Leben selbst dienen. Materielles Leben und Ernährung sollten einen schlichten Platz einnehmen. Wenn
dies getan wird, wird Arbeit angenehm und reichlich spiritueller Raum vorhanden sein. Hier und jetzt zu
Leben, das ist die wahre Grundlage des menschlichen Lebens. Für den Bauern und seine Arbeit: Diene
der Natur und alles ist gut. Ackerbau sollte eine heilige Aufgabe sein. Könnte es etwas besseres geben
als einfach zu leben und die Dinge leicht zu nehmen?
Zusammenfassung von "Der große Weg hat kein Tor - Masanobu Fukuoka"
|